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Aktuelles


Geschrieben am 02. September 2022

22 Gerichte für mehr bio-regio in der Außer-Haus-Verpflegung

Verena Schlegel (Epos Bio Partner / Regenbogen Arbeit), Sebastian Funk (Epos Bio Partner) & Anton Kreitmeir (alp Bayern) bei der Preisverleihung © alp Bayern

Die Initiative "30 für 30" zeichnet Leuchtturmprojekte aus, die sich für mehr Bio aus Bayern einsetzen. Verena Schlegel, Wertschöpfungskettenmanagerin und frisch gebackene Vorständin des Münchner Ernährungsrats, hat ihre Idee eingebracht - und konnte überzeugen!

Ein Interview mit Preisträgerin Verena Schlegel

Seit Herbst 2021 gibt es die Initiative 30 für 30 vom Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, um Projekte auszuzeichnen, die entweder neue regionale Bio-Lebensmittel entwickeln oder neue Vermarktungswegen für die entsprechenden Produkte etablieren. In der zweiten von sechs Runden wurde Verena Schlegel mit ihren Kooperationspartnern EPOS Bio Partner Süd GmbH und der gemeinnützigen Regenbogen Arbeit GmbH ausgezeichnet.

Was war Eure Idee und wie ist sie entstanden?

Verena:  Unsere Idee war, Tellergerichte zu entwickeln. Oft werden Bio-Produkte in der Gastronomie komponentenweise eingesetzt, aber nur eine Beilage das ist einfach zu wenig. Wir haben also 22 Rezepte eingereicht, die nur Produkte mit dem Bayerischen Bio-Siegel beinhalten. In Anlehnung an die Initiative "30 für 30" war unser Motto „22 für 22“. Wir wollten zeigen, wir haben erst das Jahr 2022 und es ist jetzt schon möglich - das heißt es geht noch viel mehr.  Als ich angefangen habe mich mit der Thematik zu beschäftigen hieß es oft, "ach es gibt eh keine Produkte, die Verfügbarkeit ist schlecht" - und jetzt können wir sagen, es ist möglich! Klar, in manchen Produktbereichen ist es nicht immer einfach, und Verfügbarkeit ist manchmal ein Thema. Aber es gibt viele Produkte und die sollten wir auch nutzen um die Wertschöpfungskette in Bayern auch wieder weiter aufzubauen.

"Als ich angefangen habe mich mit der Thematik zu beschäftigen hieß es oft, ach es gibt eh keine Produkte, die Verfügbarkeit ist schlecht - und jetzt können wir sagen: es ist möglich!"

Wie lief das Projekt ab ab?

1. Sortimentent sichten
Verena: Es gab mehrere Schritte: Wir haben erstmal geschaut, welche Produkte gibt es überhaupt. EPOS Bio Partner Süd GmbH und die Regenbogenarbeit GmbH haben sich zusammengetan und überlegt, welche Produkte sie mit dem Bayerischen Bio-Siegel anbieten können. Darauf aufbauend wurde eine Teilsortimentsliste mit dem Bayerischen Bio-Siegel erstellt.


2. Kommunikationsmaßnahme entwickeln
Dann haben wir gesagt, ok das ist gut, aber wie können wir das dem Gast auch noch kommunizieren? Deshalb wollten wir einen klassischen Porzellanteller mit dem Bayerischen Bio Siegel. Hierbei unterstützte uns die AlpBayern. Dadurch können wir zeigen, dass das Gericht komplett mit dem Siegel zertifiziert ist.

3. Rezepte zusammenstellen
Der nächste Schritt war, dass ich angeschaut habe, welche Gerichte mit dem Sortiment möglich sind. Mir war wichtig, dass es möglichst einfache Gerichte sind, die jeder einsetzen und natürlich auch verändern kann - also dass man zum Beispiel andere Gewürze nimmt oder das Gemüse austauscht. Deswegen habe ich auch beim Gemüse jeweils angefügt, was in Bayern je nach Saison verfügbar ist. Das Ziel war, einfache, schnelle Gerichte zu entwickeln, die mit wenigen Zutaten auskommen und trotzdem lecker und gesund sind.

 

22 für 2022: Eine Auswahl der Tellergerichte
© EPOS Bio Partner Süd

4. Gemeinschaft stärken & Erfolge feiern
Als nächsten Schritt habe ich unsere Unterstützer eingeladen, also die Landesvereinigung für Ökologischen Landbau (LVÖ), die uns bei der Sortimentsentwicklung unterstützt hat, die Alp Bayern, die den Porzellanteller bereitstellt, und natürlich die Kooperationspartner EPOS Bio Partner Süd und Regenbogen Arbeit. Ich habe für das gemeinsame Essen einen Teil der Gerichte gekocht, wir haben gemeinsam gegessen und einfach mal auf den Erfolg angestoßen und auf das, was wir schon geschafft haben.

5. Rezepte in der AHV etablieren
Einer meiner Kooperationspartner hat seine neuesten zwei staatlichen Kantinen gepachtet. Der nächste Schritt ist, dass wir dort die Gerichte mit dem Bayerischen Bio-Siegel anbieten. Auch wenn sich das gerade etwas verzögert, es ist ein erster Schritt dazu, dass es auch in der Praxis umgesetzt wird. Das Ziel ist, dass wir alle Einrichtungen der Außer-Haus-Verpflegungen erreichen, und wir freuen uns, wenn mehr Kantinen mit uns diesen Weg gehen.

 

 Was war Dir wichtig bei der Durchführung des Projekts?

Verena: Das Wichtigste war das Thema Sichtbarkeit für alle Kooperationspartner der Wertschöpfungskette, vom Landwirt und Erzeugern über die Hersteller bis zur Gastronomie. Den Preis haben zwar jetzt wir gewonnen, aber verdanken tun wir es auch den Landwirten, weil sie die Kartoffeln für den Kartoffelknödel anbauen, den wir in die Kantine bringen. Bei dem Ganzen sind einfach so viele Menschen beteiligt, denen man dankbar ist, dass sie ihre Arbeitskraft und ihr Engagement mit reinbringen und diesen Weg gehen. Das Ziel von 30% Öko-Landbau bis 2030 schaffen wir nur gemeinsam, da gehören alle dazu.
Außerdem wollen wir das Thema Außer-Haus-Verpflegung auf die Agenda bringen, weil es oft vergessen wird. Dabei ist es so ein wichtiges Thema, um den ökologischen Landbau voranzubringen. Und wir wollen ein Zeichen setzen, dass bio-regional möglich ist. 

„Wir haben den Preis zusammen gewonnen“

Wie geht es jetzt weiter?

Verena: Wir hoffen natürlich, dass wir viele Küchen erreichen, aber wir würden uns auch freuen, dass wir neue Hersteller und Produzenten finden, die Lust haben, mit uns diesen Weg zu gehen. Ich wünsche mir, dass sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette Menschen finden, die mitmachen. Und durch die Sichtbarkeit in den Medien durch den Preis erreichen wir vielleicht Menschen, die sonst nicht von uns erfahren hätten.

Letzte Frage: Wie deckt sich Dein Beruf mit dem Engagement im Vorstand vom Münchner Ernährungsrat? 

Verena: Ich hab ein großes Ziel: möglichst vielen Menschen gesunde und nachhaltige Ernährung nahezubringen. Weil ich gesehen habe, wenn wir uns gesund ernähren, dann geht es uns allen besser, der Natur und uns Menschen.



Als Wertschöpfungskettenmanagerin im Bereich Außer-Haus-Verpflegung bin ich zwar für ganz Bayern zuständig, aber man muss auch da anfangen wo man lebt, und ich lebe in München. Deswegen habe ich mich auch für die Arbeit beim Münchner Ernährungsrat entschieden. Wenn ich einen Beitrag dazu leisten kann, dass wir hier die Ernährungswende voranbringen, dann möchte ich das tun.

 

Dort anfangen, wo man lebt: beim Interview in München
© alegra kommunikation

Wir brauchen viele Menschen, um das große Ziel Ernährungs- und Agrarwende zu schaffen, jeden Einzelnen, der Lust hat mit uns Projekte zu starten und sich einzubringen.
Bei meiner ehemaligen Arbeit in einer Münchner Schulkantine wusste ich, wenigstens bekommen diese 600 Kinder ein gutes Essen. Und jetzt möchte ich mehr Menschen erreichen. Wenn ich das schaffe, bin ich sehr glücklich.